Ist das Sparbuch die beste Lösung?
- Christopher

- 31. Dez. 2020
- 5 Min. Lesezeit
Warum es sich lohnt, über alternative Methoden bei der Geldanlage nachzudenken!
Es ist wichtig, sich mit dem Thema der persönlichen Finanzen so früh wie möglich zu widmen. Je früher man damit beginnt, desto besser. Das Sparbuch bzw. die digitale Version des Sparkontos ist dabei immer noch die beliebteste Variante.

Das belegt auch eine vor Kurzem durchgeführte Studie von Klarna. Laut dieser nutzen mehr als die Hälfte der Österreicher, konkret 56%, das Sparbuch (41%) oder die digitale Variante (15%). Insbesondere bei den unter 24-jährigen ist das Sparbuch die beliebteste Anlageform (42%) und damit sogar beliebter als bei der Altersgruppe über 45 Jahre (33%).
Nur 12% der Befragten haben in der Studie angegeben, zumindest Teile ihres Geldes in Aktien zu investieren.
In Deutschland zeichnet sich übrigens ein ähnliches Bild - mehr als 50% nutzen entweder das Tagesgeldkonto (28%) oder das Sparbuch (26%) zum Sparen. Auch hier geben lediglich 15% der Befragten an, Teile ihres Geldes in Aktien zu investieren.
Man sieht daraus, dass die Österreicher und Deutschen Aktien als sehr riskant und hochspekulativ empfinden und somit kaum nützen. Ist das wirklich am vernünftigsten?
Ein Beispiel!
Warum ist das so? Bringt das Sparbuch eine vergleichbare Rendite? Wird der Wert des Geldes bis zum Laufzeitende zumindest gehalten? Sehen wir uns dazu ein Beispiel an. Folgende Situation:
Betrachten wir zwei Personen, Julian und Miriam, die beide jeweils einen Einmalbetrag von 10.000€ veranlagen wollen. Beide sind 35 Jahre und wollen das Geld bis zum Pensionsantrittsalter veranlagen. Somit haben wir einen Veranlagungszeitraum von 30 Jahre, bis das derzeitige Pensionsantrittsalter von 65 Jahren erreicht ist.
Julian hat sich noch nie mit dem Thema Aktien oder Geldanlage ernsthaft beschäftigt. Da er sich damit nicht weiter auseinandersetzen will und vor Aktien Angst hat, legt er sein Geld auf ein täglich fälliges Online-Sparkonto. Das geht am einfachsten und er kann jeden Tag auf das Geld zugreifen. Das dafür beste Angebot bei Online-Vergleichen in Österreich liegt derzeit bei einem Zins von 0,4%, einige sind bei 0,2%, der Rest befindet sich jedoch im Bereich zwischen 0,01%-0,05%. Nehmen wir für unsere Berechnung also die Mitte und somit einen jährlichen Zinssatz von 0,2% an.
Nach den 30 Jahren bekommt Julian insgesamt einen Betrag von 10.618€ ausbezahlt, d.h. er hat 618€ an Zinsen erhalten.
Miriam beschäftigt sich gelegentlich mit ihren Finanzen und weiß, dass sie auf einem täglich fälligen Sparkonto faktisch keine Rendite erwirtschaften kann. Ihr ist das Risiko bewusst, da sie aber einen langen Anlagehorizont vor sich hat, entscheidet sie sich, ihr Geld in einen breit gestreuten ETF (Kurzform für Exchange Traded Fund) zu investieren. (Eine genaue Erklärung, was ein ETF ist und was sich dahinter verbirgt, beschreibe ich in einem anderen Blog.)
Sie entscheidet sich für einen sogenannten MSCI World ETF. Darin befinden sich über 1.600 Einzelaktien, es handelt sich hierbei also um einen breit angelegten (sogenannten diversifizierten) Fonds. Wenn man sich die Entwicklung der Vergangenheit seit 1970 anschaut, hat der MSCI World ETF eine durchschnittliche Rendite von 7,1% erwirtschaftet (inkl. Dividendenrendite, trotz diverser Börsen-Crashs).
Investiert Miriam nun die 10.000€ für 30 Jahre, erhält sie am Ende der Laufzeit einen Betrag von 78.286€ und erwirtschaftet daraus somit einen Gewinn von 68.286€.
Diese Grafik veranschaulicht die jährliche Entwicklung des eingesetzten Kapitals von 10.000€ von Julian (blau) und Miriam (orange):

Zugegeben, nicht jedes Monat oder Jahr wird bei Miriam so positiv verlaufen. Bei dem Vergleich nimmt man außerdem Entwicklungen aus der Vergangenheit und projiziert den Verlauf in die Zukunft. Fakt ist aber, dass man zukünftige Entwicklungen am Aktienmarkt natürlich nicht vorhersagen kann. Trotzdem veranschaulicht das Beispiel ganz gut, was am Kapitalmarkt mit Investments möglich ist, wenn man dem Thema nur etwas Zeit widmet.
Anmerkungen:
Das Thema Steuern habe ich im obigen Beispiel außen vor lassen - grundsätzlich beträgt der Steuersatz auf Aktiengewinne in Österreich 27,5%, für Zinsen aus Girokonten und Sparbüchern wird ein geringerer Steuersatz von 25% fällig.
Zusätzlich fallen bei einem ETF auch noch Produktkosten an, die aber sehr gering gehalten werden können - die jährliche Kostenquote beträgt ca. 0,2%. Zur Vereinfachung wurden die Kosten nicht berücksichtigt, mehr Informationen dazu findest du in meinen kommenden Blogs.
Aber auf dem Sparbuch hat man sein Geld wenigstens fix, da kann nichts passieren!
Das stimmt in der Regel - es gilt die Einlagensicherung, d.h. pro Kunde und Bank sind Spareinlagen bis 100.000 Euro unverändert abgesichert. Somit wäre im obigen Beispiel das Vermögen von Julian auf jeden Fall sicher - auch im Falle eines Bankrotts der Bank.
Dabei gibt es aber ein großes Problem und das ist die Inflation. Aber was ist das genau? Unter Inflation versteht man eine Verminderung des Geldwertes oder eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus. Steigen die Preise, ist das vorhandene Geld weniger wert, da man für das Gleiche Geld weniger kaufen kann. Die durchschnittliche Inflation der letzten 25 Jahre beträgt pro Jahr ca. 2%.
Ein kurzes Beispiel dazu: Sagen wir, du kannst dir heute für 100€ insgesamt 100 Liter Milch kaufen kannst. Wenn nun das allgemeine Preisniveau um beispielsweise 2% steigt, kannst du dir im kommenden Jahr für die selben 100€ nur mehr 98 Liter Milch kaufen. Zusammengefasst ist dein 100€-Schein immer noch derselbe, allerdings kannst du dir real darum weniger kaufen als im Jahr zuvor.
Somit darfst du die Inflation bei der Rendite nicht vergessen, alles andere wäre eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. 100€ heute sind eben nicht mehr dasselbe Wert wie 100€ im kommenden Jahr, geschweige denn in 30 Jahren.
Was passiert nun, wenn wir die Inflation bei den obigen Beispielen von Julian und Miriam berücksichtigen?
Die jährliche Rendite bei Julian lag bei 0,2%, seine Auszahlung nach 30 Jahren bei 10.618€. Nach Abzug der jährlichen Inflation von 2% liegt die jährliche Rendite allerdings bei -1,8%, somit verliert dein Geld jedes Jahr am Sparbuch an Wert, obwohl es nominell ganz leicht ansteigt. Julian bekommt zwar nach den 30 Jahren die 10.618€, real kann er sich aber für das Geld nur mehr Waren im Wert von 5.799€ leisten. D.h. um die sicheren 10.618€ kann er sich nach den 30 Jahren real um das Geld fast nur mehr 55% von dem leisten, was er sich heute kaufen könnte. Also ein ziemlich großer Wertverlust.
Miriam hat nach Abzug der jährlichen Inflation eine jährliche Rendite von ca. 5,1%. Am Ende der 30 Jahre hätte sie demnach insgesamt einen Outcome von 44.471€ (inflationsbereinigt).
In der folgenden Grafik zeigt sich die Entwicklung des eingesetzten Kapitals von 10.000€ von Julian (blau) und Miriam (orange), wenn man eine Inflationsbereinigung von 2% p.a. berücksichtigt:

Fazit
Das Risiko bei Aktieninvestments ist natürlich wesentlich höher als bei sicheren Veranlagungen. Dieses Beispiel soll aber verdeutlichen, dass du auch bei Sparformen wie z.B. dem Sparbuch real eigentlich Geld verlierst, da es im aktuellen Zinsumfeld sehr schwierig ist, die Inflation von ca. 2% auszugleichen. Mit einem breit gestreuten Investment in einen ETF ist es möglich, die Inflation zu schlagen und sein Geld nachhaltig zu vermehren.
Es gibt natürlich auch viele andere Veranlagungsmethoden - wichtig ist dabei immer, seine Investments breit zu streuen, sodass man im Falle eines Ausfalls sein persönliches Risiko so gut wie möglich minimiert. Außerdem ist es sehr wichtig, einen gewissen "Notgroschen" beiseite zu legen (in der Regel ca. 6 Monatsgehälter), um im Falle des Falles gerüstet zu sein. Mehr Informationen dazu findest du in meinen weiteren Blogs.
Wir lesen uns,
euer eduInvest!







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